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Forschungsprojekt

Mathematik im kulturellen Kontext:
Indigenes mathematisches Wissen und dessen Einbeziehung in Lehr- und Lernkonzepte

Die Kulturstiftung Sibirien war von 2012 bis 2015 Partner in einem interdisziplinären und transkulturellen Forschungsprojekt der University of Alaska, Fairbanks. Das Projekt wurde von der National Science Foundation gefördert. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der einzelnen Forschergruppen untersuchten mathematische Konzepte in indigenen Wissenssystemen, die in bestimmten Tätigkeiten verankert sind. Sie begleiteten Einheimische im Alltag und ließen sich diese Tätigkeiten im Hinblick auf das Thema erläutern. Die Untersuchungen erfolgten in verschiedenen kulturellen, sprachlichen und geografischen arktischen Gebieten – bei den Yup'ik (Alaska), Grönländischen Inuit (Grönland), und Korjaken (Kamtschatka/Russland), mit einer Vergleichsregion in Yap (Mikronesien). Das Team setzte sich zusammen aus Jerry Lipka, David Koester, Dora Andrew-Ihrke, Evelyn Yanez (Alaska); Ylva Jannok-Nutti (Schweden); Kattie Egede Motzfeld (Grönland); Don Rubinstein und Calistus Hachibmai (Mikronesien) und Erich Kasten.

Erich Kasten von der Kulturstiftung Sibirien leitete das Kamtschatka-Team. Er arbeitete zusammen mit seiner inzwischen verstorbenen indigenen Mitarbeiterin Aleksandra Urkachan
und mit David Koester von der University of Alaska Fairbanks. Die Untersuchungen zu den Korjaken und Evenen richteten sich in erster Linie auf Handwerk und dekorative Kunst, d.h. die Dokumentation und Analyse der Anfertigung von Mustern und Ornamenten vor allem bei der Kleidungsherstellung. Dabei erfasste indigene mathematische Konzepte können in entsprechende Schulcurricula intergriert werden.

Voraussetzung dafür ist, dass in den indigenen Gemeinschaften die kulturellen Praktiken weiterbestehen, in denen sich das hier erfasste besondere mathematische Wissen manifestiert. Denn nach Erfahrungen zum indigenen Sprachunterrricht in Kamtschatka werden solche indigenen Curricula als fremd empfunden, sobald entsprechendes Wissen nicht mehr im Alltag praktiziert und erfahren wird.

Die Kulturstiftung Sibirien wird deshalb Aufzeichnungen jener Tätigkeiten, in denen besonderes mathematisches Wissen dieser Völker verankert ist, in Form von Lernmaterialien für die Einheimischen aufarbeiten. Die in gedruckter und elektronischer Form auf DVD sowie später auch im Internet bereitgestellten Materialien sind so konzipiert, dass vom Verlust bedrohtes lokales Wissen mit Hilfe neuer Technologien auch außerhalb von Schul-Curricula in kulturgemäßer Weise – durch Beobachtung und Nachahmung – vermittelt werden kann.
 
Die Zwischenergebnisse der einzelnen Forschergruppen wurden auf Workshops diskutiert, so vom 30. November bis 6. Dezember 2012 in Sisimiut (Grönland), vom 13-18. Juli 2014 in Fairbanks, Alaska (USA), und vom 10-18. Oktober 2015 in der Kulturstiftung Sibirien (Fürstenberg/Havel).  » mehr
Erste Ergebnisse zu Kamtschatka sind in einem Artikel von Erich Kasten zusammengefasst.